CHRONOLOGIE

  

1913

Marcel Duchamp, Rad eines Fahrrades, ein “readymade” und Spielobjekt, das Duchamps Lebenseinstellung positiv beeinflusste während er damit spielte (siehe Essay).

1923

Bauhaus, Alma Siedhoff-Buscher, Bauspiel und Josef Hartwig, Schachspiel, zwei der ersten Spielobjekte am Bauhaus.

1926-31  

Alexander Calder, Zirkus, und ca. 100 weitere figurative, spielerische Skulpturen in den folgenden Jahren.  Calder ist primär als der Erfinder von Mobiles bekannt.  Mit der Bewegung seiner Mobiles schuf er dieselbe spielerische Erbauung, die Duchamp beim Drehen seines Rades erfuhr. (siehe Essay)

1953

Yaacov Agam, seine erste Ausstellung in der Galerie Craven in Paris zeigte 45 variable Werke zur Einbeziehung der Betrachter.  Später arbeitete er auch in anderen Kunstformen, aber er verfolgte dieses Thema während seiner ganzen Karriere.

1960

Lygia Clark, Biest, Sonnenuhr, sowie eine größere Anzahl weiterer beweglicher Objekte mit Scharnieren während der folgenden fünfzehn Jahre.  Clark war frustriert weil ihr Publikum (Galerien, Sammler und Museen) nicht verstehen wollte, dass ihre beweglichen Skulpturen zum Spielen gedacht waren. (siehe Essay)

1961

Kurt Naef, Schweizer Spielzeugmacher, produzierte von einer wachsenden Zahl von internationalen Künstlern Spielobjekte aus Holz. Ab 1977 autorisierter Lizenzhersteller von Bauhaus Objekten aus dem Bauhaus Museum. Bis 1995 wurden mehr als 120 künstlerische Objekte verlegt. Die Naef Kollektion sollte ein wesentlicher Bestandteil der 1969 geplanten Play Art Ausstellung im MoMA sein. (siehe Lanier Graham, 1969).

1962

Ernst Lurker, schuf als Kunststudent in Hamburg vier bewegliche Skulpturen aus Holz, die die spielerische Beteiligung des Betrachters verlangten.  Er prägte für derartige künstlerische Arbeiten den Begriff “PlayArt” als erläuternde Bezeichnung (siehe Statement und Video).

1968

MoMA produzierte zwei PlayArt Objekte, das Schachspiel von Lanier Graham, ein Kurator am MoMA, und Multiplications von Betty Thomson. Es waren die ersten Objekte, die MoMA für den Museumsshop produzierte. Damit setzte MoMA ein Beispiel, dem andere Museen später folgten.

1969

Lanier Graham, ehemaliger Kurator am MoMA, Pläne für eine PlayArt Ausstellung im MoMA wurden nicht realisiert, da er nach San Franzisko zog (siehe seinen Brief und Informationen über Lanier Graham).

1972

Münchner Olympiade war die erste, große, öffentliche Vorstellung der PlayArt Bewegung.  Das olympische Komitee brauchte zu der pompösen und hochtrabenden Hitler Olympiade von 1936 ein kontrastierendes Motiv.  Es wurde beschlossen, das Publikum an einem interaktiven Kunst Programm teilnehmen zu lassen.  Das künstlerische Gesamtthema hieß „Spielstrasse.“ (siehe Brief)

1975 Art – action and participation, Author: Frank Popper, das maßgebliche Werk über diese Bewegung bis zu diesem Zeitpunkt. Die Studie dokumentiert wie sich „ludische“ Aktivitäten aus mehreren verschiedenen Kunstformen entwickelten. (Review)
1977,
1982 and 1984
Tokyo, drei Ausstellungen mit dem Namen Museum of Fun; Kurator: Itsuo Sakane, Sponsor: Asahi Shimbun (Zeitung von Tokyo). Sakane bedauerte später, dass er die PlayArt nicht kannte; er hätte es vorgezogen, diesen Namen zu benutzen. (siehe einen Auszug aus seiner Einleitung zum Katalog)

1985

Bayer AG (Pharma), Buchveröffentlichung von Play Art and Creativity (in englischer Sprache mit Illustrationen) von Ernst Lurker, mit einem Vorwort von Hans Theodor Flemming, Kunsthistoriker (E 269-865/840-193). (siehe Vorwort)

1987

Galerie Susi Brunner, Zürich, PlayArt Ausstellung, primär die Naef Collection.

 

Die Dokumentationen von ebensolchen privaten Ausstellungen u.a. in Berlin und Budapest sind in Vorbereitung.

1990

Gründung des Instituts für Spielforschung und Spielpädagogik in Salzburg, Österreich. Als Mitglied von TASP (The Association for the Study of Play) berichtete Ernst Lurker im TASP Newsletter über dessen erstes internationales Symposium. Die PlayArt Bewegung war ein wesentliches Thema. (siehe Bericht als PDF)

1992

Leo Castelli, Unterstützung der PlayArt Bewegung. Bemühungen bei seinen Kontakten zu den führenden Institutionen blieben ohne Erfolg (siehe seinen Brief und Essay).

1995, 1997,
1999 and 2001

Itsuo Sakane setzte seine kuratorischen Arbeiten mit vier weiteren Ausstellungen fort. Diese hießen “Interaktion”, jedoch sah er dabei den Bezug zum Spiel. (Siehe einen Auszug aus seinem Katalogsvorwort)

1995

Berlin, Entschluss, mit Geldmitteln der Stadt ein Museum of PlayArt zu bauen.  Mit den vorgesehenen Plänen sollte ein neuer Typus von Museum entstehen.  Mehr als 1000 Künstler standen auf dem Programm. (siehe Brief)

2006

Carsten Höller, eines der anspruchsvollsten und gewaltigsten Werke der PlayArt, Rutschbahn (Test Site) in der Tate Modern (see video).

2008

Berlin, die Museumspläne wurden auf unbestimmte Zeit verschoben. Seit der Rückführung der deutschen Regierung von Bonn nach Berlin (1999) war die Finanzlage der Stadt sehr angespannt.  Hoffnungen, dass sich diese Situation verbessern würde, wurden durch die globale Finanzkrise zunichte gemacht.

2009

Wikipedia, Eintrag der PlayArt wurde gelöscht (hier finden Sie einen Screenshot des Eintrags) mit der Begründung, dass die Kunstform nicht existiert.  Dieses Vorgehen brachte die Notwendigkeit von Dokumentationen ans Tageslicht.

2010

Play Biennale, ein Video Wettbewerb in Gemeinschaftsproduktion zwischen dem Guggenheim Museum und YouTube. Diese Veranstaltung ist in zwei unterschiedlichen Bereichen ein erheblicher Durchbruch. Die Verwendung des Begriffs Play in einer Verknüpfung mit einem Kunst Museum signalisiert eine bahnbrechende Einstellungsänderung, da Spiel und Kunst bis dahin nicht miteinander vereinbar waren. Die Öffnung einer solch ehrwürdigen Institution für ein Massenmedium ist ein gigantischer Schritt in Richtung der Demokratisierung der Kunst (siehe Essay).

2011

Biennale Venedig, ein bahnbrechendes Werk von (alias) Norma Jeane (#Jan25, Sidibouyid). Die Besucher sind eingeladen, Portionen des großen Plastilin Klotzes zur Hand zu nehmen und damit zu spielen. Das Werk umgeht den häufigen Einwand, dass PlayArt oft durch die vorgesehene Spieltätigkeit abgenutzt wird und somit an Wert verliert. In diesem Fall ist es vorgesehen, dass sich die Installation im Laufe der Zeit abbaut und durch die Interaktionen der Spieler umgewandelt wird. Die Spieler entwickeln auch ihre eigene Kreativität, ein vorrangiges Ziel der PlayArt.

Kommentare

#1 Chronologie

 Eure Chronologie sollte auch die Tatsache anführen, dass die ersten Objekte, die MoMA 1968 verkaufte, PlayArt Objekte waren, nämlich mein Schachspiel und Multiplications von Betty Thomson. Das war ein historisches Ereignis. Heute verkaufen viele Museen Objekte, aber zuvor verkauften sie nur Bücher, Postkarten, und Plakate. 

#2 Ausgezeichneter Vorschlag.

Ausgezeichneter Vorschlag. Vielen Dank, Lanier.

 Wir werden die Information einfügen.